Alte Burg

23. September 2001: Die Nördröhre mit Blick in Richtung Westen. Nur noch die eigentliche Fahrbahn fehlt. Befahrbar für Baufahrzeuge ist der Tunnel inzwischen längst, nur die sich ostwärts anschließenden Weddurchlässe stehen noch immer wie Denkmale in der Landschaft.Foto: H. Trefz

Baustand Ende Juni 2001: Besonders kecke Besucher wagen in diesen Tagen schon mal einen Durchmarsch durch eine der Tunnelröhren - bei 866 Metern Länge ist das Risiko noch überschaubar. Auf der Westseite  ist die Innenverkleidung der Südröhre schon nach außen geführt. In der Nordröhre (Foto) wird noch daran gearbeitet. Foto: H. Trefz

23. September 2001: Okay, okay, so richtig in Ordnung ist es nicht, dass hunderte Wanderer jedes Wochenende die inzwischen auch fahrbahnmäßig fertige, aber eben abgesperrte Südröhre zum Abrunden der Waldwanderung nutzen. Doch schließlich wird es einmal ihr Tunnel sein. Foto: H. Trefz

Dezember 2000: Die Bauarbeiten gehen gut  voran. Derzeit sind 95 % der Südröhre betoniert. Nur noch wenige Wochen, dann kann der für die Gesamtfertigstellung so wichtige Massentransport des Rennsteigtunnelaushubs von dessen Ostportal hinüber zur Tank- und Rastanlage (siehe Karte) kurz vor der Talbrücke Zahme Gera beginnen. Foto: H. Trefz

23. September 2001: Na, das hat sich doch etwa getan vor dem Ost-Portal im Vergleich zum Mai-Foto. Nur die Patin kommt wohl leider erst wieder am Tag der Heiligen Barbara. Foto: H. Trefz

22. Mai 2001: Vom Parkplatz neben der Bauleiterbaracke ist gut zu erkennen: Es muss noch reichlich Armierungsstahl in die beiden Röhren hinein. Blick aus südlicher Richtung auf das Ostportal.Foto: H. Trefz














 Besichtigung im Dunkel: Das Problem aller Tunnelbilder - es ermangelt ein wenig am Licht,


Der  4. Dezember -Tag der Heiligen Barbara - der Schutzherrin aller Tunnelbauer (und nicht nur der) war auch für Tunnelpatin Claudia Nolte Anlass zu einem Besuch auf “ihrer Baustelle”. Und die Fotografen ließen nicht eher locker, bis sie mit der geschnitzten Verkörperung der Person, deren irdische Vertreterin sie für die Bauzeit ist, posierte.
Foto (Dezember 2000): H. Trefz  (Klick führt zur größeren Version (72 kB)

Kitzlige Momente
Der Tunnel Alte Burg mit seinen beiden Röhren ist für den, der in südlichen  Richtung unterwegs ist, die nächste Stufe auf der ansteigenden Superlativ-Skala. Nach dem Tunnel Behringen als kleinem Vorgeschmack bekommt er hier mit 874  Metern Länge in der Nord- und 866 Metern Länge in der Südröhre schon ein fast doppelt so langes Stück unter Tage geboten. Das mit 50 Millionen Mark  Gesamtkosten veranschlagte Bauwerk hat auch wegen seiner Länge die ersten Querstollen (im übrigen nicht nur einen, wie auf allen offiziellen DEGES-Grafiken angegeben, sondern zwei).
Begonnen wurde er wie weiter vorn bereits erwähnt, kurz vor der Bundestagswahl 1998. Seine Tunnelpatin ist die seinerzeitigen Bundesministerin für Jugend Familie und Senioren,  Claudia Nolte (CDU), heute immerhin noch Bundestagabgeordnete. Es gehört zu den Eigenheiten der Politik, dass man den Anschlag auf dem Hügel zwischen den Talbrücken Schwarzbach und Wilde Gera durchführte (also am rechten Bildrand der Grafik), dort wo die Bauleitung für die in der Nähe liegenden Großprojekte sitzt. Mit großem Pomp gingen einige Sprengladungen vor einem imitierten  Tunnelportal in die Luft. Als Politik und Medien den Hügel wieder verlassen hatten, verschwand flugs auch das mühsam in zwei Wochen aus Styropor und Beton zusammengebastelte Tunnelportal wieder.  Man hatte nämlich gar nicht vor, von dieser Seite aus den Tunnel vorzutreiben sondern von der anderen Bergseite. Damit so richtig begonnen wurde auch erst zu Jahresbeginn 1999. Und dann  funktionierte trotz einiger Schwierigkeiten mit eindringendem Wasser und großer Kälte alles ganz gut, ob wohl sich die Tunnelpatin von da an lange nicht mehr blicken ließ - Terminprobleme...
Ob ihr das der Berggeist übel genommen hatte? Fast ein wenig zu glatt waren die Bauarbeiten verlaufen. Bis zum 30. Juni 1999. Tagelange Regenfälle hatten auch das Gebirge ziemlich durchnässt. Nicht mehr mehr war es dis zum Westportal. Von der Decke kam immer mehr Wasser. Die Tunnelbauerprofis vom Schachtbau Nordhausen witterten Unheil. Nicht grundlos: Wenige Minuten, nachdem der Tunnel schleunigst geräumt wurde, donnerten 3500 Kubikmeter Gestein von oben her in die Tunnelröhre. Bis an die Oberkante des Gebirges rutschten die Geröllmassen durch. Die vor Jahrhunderten in dieser Gegend recht intensive Bergbautätigkeit  hatte hier einen längst vergessen geglaubten, und in keiner Karte verzeichneten Altstollen hinterlassen, dessen Füllung unter den Regenfällen in Bewegung geraten war.Von oben her wurden eilends große  Mengen Beton eingefüllt, bis der Berg wieder ruhig stand. Doch mit dem Vortrieb der Röhre konnte es nun natürlich nur noch in kleinen Schritten weiter gehen. Trotzdem war es im November soweit: Wieder stand alles hoch überm Schwarzbachtal, diesmal auf der inzwischen rohbaufertigen Brücke (und diesmal auch auf der  richtigen Seite), als im Wochenabstand in beiden Röhren der Durchschlag gefeiert werden konnte.
Was der Berg an Gestein freigeben musste, hatte sich bis dahin vor dem Ostportal gesammelt und füllt inzwischen einen anschließenden Talschluss fast vollständig aus.

 

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich bitte an den Webmaster.
© Copyright 2000-2002 Henry Trefz - Journalismus zum Denken. Alle Rechte vorbehalten.